Das Flugzeug beschleunigte und wenige Minuten später flogen wir über München. Die Reise endete nach 14 Stunden, die sich wie eine halbe Ewigkeit anfühlten. Wir waren in Singapur. Ein Schritt aus dem Flieger und die feuchte Hitze erdrückte mich schon beim ersten Atemzug. Mein ganzer Körper begann sofort zu schwitzen. Die Luftfeuchtigkeit war unerträglich.

Nachdem wir unsere Koffer abgeholt hatten, nahmen wir uns ein Taxi ins Hotel und vertrieben uns die Zeit bis zur Eröffnungsfeier.

Zum ersten Mal sah ich die Wand aus Holz. Ob sie rutschig sein würde? Die einzelnen Länder wurden vorgestellt und die Stimmung war gut. Als durch den Lautsprecher Austria ertönte, drangen hinter mir laute Jubelrufe in mein Ohr und rissen mich mit. Mich überkam eine Welle aus Motivation und Aufregung. Ich bin bereit, der Bewerb kann beginnen.

 

Träge öffnete ich meine Augen als der Wecker läutete, doch noch einmal umdrehen und weiter schlafen ging sich nicht mehr aus. Das Frühstücksbuffet war gewöhnungsbedürftig. Würstel in der Früh ist nicht ganz mein Geschmack, aber ich musste mich für den wichtigen ersten Tag stärken.

Startnummer 239.

Ich hatte Zeit die Kulisse zu genießen und beobachtete genügend Starter, um mich mit gutem Gewissen aufwärmen zu gehen.

Schnell putzte ich den Sand von meinen Kletterschuhen, meine Finger schlossen sich um den Startgriff, ich setzte meinen Fuß an die glatte Wand, mein Körper spannte sich an und der Bewerb war für mich eröffnet.

Nach nur 12 Zügen fand ich mich am Boden wieder, doch auch schon starke Kletterer vor mir schafften den Zug auf den Untergriff nicht, deswegen versuchte ich, mir keine Gedanken zu machen, was ich jedoch nur schlecht schaffte. Müde fiel ich am Abend ins Bett und lies mir den Tag durch den Kopf gehen, schlief jedoch schnell ein.

Am nächsten T'ag das gleiche Ritual noch einmal. Route anschauen, aufwärmen, viiiiel Flüssigchalk auf die Hände, Sand von den Schuhen, konzentrieren und abheben.

Die 2. Quali verlief wie geplant. Ich kletterte problemlos über die Schlüsselstelle und qualifizierte mich fürs Semifinale. Überglücklich genoss ich ein Sonnenbad unter den Palmen am Strand, bevor wir alle zusammen ins Hotel fuhren. Zufrieden und mit großer Vorfreude auf den nächsten Tag schlief ich ein.

Nachdem ich mir die Semifinal-Route gut angeschaut und gemerkt hatte wurden wir nach sechs Minuten Besichtigungszeit wieder zurück in die Isozone geschickt. Sofort begann ich mich aufzuwärmen, machte meine Therabandübungen und zog mir dann meine Kletterschuhe an um ein paar schwere Züge zu machen.

Der Sicherer führte mich vor die Wand und sofort stieg ich in unsere Route ein. Ich fühlte mich sicher und musste nur wenig überlegen. Hin und wieder drangen ein paar Anfeuerungsrufe zu mir durch, aber ich blieb konzentriert. Langsam spürte ich ein Pumpen in meinen Unterarmen. Nur noch 6 Griffe bis zum Top. Das Pumpen wurde stärker und ich begann zu kämpfen. 4 Griffe. Das Pumpen war nun so stark, dass meine Finger jeden Augenblick drohten auszulassen. Einfach fallen lassen. Doch ich wollte nicht fallen. Noch 3 Griffe. Die Rufe im Publikum wurden lauter. Ich hielt mich an einer schlechten Leiste und schnappte zur nächsten, spürte den kleinen Griff auf meinen Fingerkuppen, konnte ihn aber nicht halten und fiel völlig fertig ins Seil. Ich habe alles gegeben.

Das Finale ging sich ganz knapp nicht aus, aber ich bin mit einem Top Ten Platz bei meiner ersten WM mehr als zufrieden.

Auch für die zweite Steirerin Nina Lach lief es sehr gut und sie holte mit dem 3. Platz in der Disziplin Speed eine Bronzemedaille für Österreich.

Bericht von Johanna Färber :)

 Ergebnis