'Welcome to Toronto Airport! Have a pleasant Stay' Die Worte der Stewardess fanden nur teilweise meine, vom langen Flug noch rauschenden Ohren. Wir durchquerten den kanadischen Flughafen im Laufschritt und beteten still, dass unser Anschlussflug nach Vancouver auf wundersame Weise doch noch 10 Minuten warten würde. 'Wir haben derzeit eine 30-minütige Verspätung', erklärte uns der Lautsprecher, als wir weit über den Wolken auf dem Weg von München nach Kanada waren.

15 Athleten, ein Ziel.
Die Jugendweltmeisterschaft im Sportklettern, die dieses Jahr auf Vancouver Island ausgetragen werden sollte.
Nun zurück zu meiner Ausganssituation: Müde  und bemüht, im Getümmel der anderen nicht über meinen schwer bepackten Koffer zu stolpern, hetzten wir in Richtung Gate. Jedem, besonders unseren zwei Coaches, war die Erleichterung anzusehen, als wir wenige Minuten später als letzte Passagiere unsere Sitzplätze zugewiesen bekamen.


Die rot leuchtenden Ziffern des Digitalweckers zeigten mir an, dass es erst 6 Uhr morgens war. Nach 20 Stunden fand ich mich im Hotelzimmer in Vancouver wieder. Die Zeitverschiebung beträgt 9 Stunden und bringt  als unangenehme Nebenwirkung einen Jetleg mit sich, der mehrmals am Tag zu erinnern gibt, dass er wirklich unangenehm ist.

Doch das sollte mich eine Fährfahrt, etliche Ahornblätter und zwei Übernachtungen auf der Insel später, nicht mehr stören. Die Eröffnungsfeier am Tag vor Bewerbsbeginn ließ, beim Anblick der Wand  mit den schon geschraubten Routen, die Vorfreude auf die kommenden Tage steigen.

Zitternde Füße, gepumpte Hände - kurz gesagt, meine 1.Qualifikationsrunde, die einen Zug vor dem Top endete.
Mit der 2. Runde am nächsten Tag katapultierte ich mich ins Semifinale der besten 26. Eine riesige Portion Abendessen rundete den gelungenen Tag ab.

Zeitig am Morgen brach das gesamte österreichische Team auf, um sein Semifinale zu absolvieren. Das kanadische Publikum  erhielt  die super Stimmung der Vortage aufrecht und ich startete in meine Route, die schon unten klarstellte, dass es nicht leicht werden würde nach oben zu kommen. Nach einem eisernen Kampf zwang mich ein rutschender Fuß wieder auf den Boden. Nicht sicher, ob gute oder schlechte Leistung -  ich war im Finale der besten Acht und hatte somit mein großes Ziel tatsächlich erreicht.

Dem Finale war nun nichts mehr im Wege und ich begann motiviert den neuen Tag. Als ich ein wenig nervös, nach dem Aufwärmen und Besichitigen, die Hände auf dem Startgriff und die Füße auf den Tritten platzierte, legte ich los. Einen Griff nach dem anderen arbeitete ich mich hoch und spürte, dass das Pumpen in meinen Unterarmen immer stärker wurde. Bei den vier großen Volumen angekommen, passierte ich die ersten zwei ohne gröbere Probleme. Meine rechte Hand ergriff zitternd das 3. Element, während die andere sich vorsichtig löste und zum Weitergreifen ansetzte. Die raue Oberfläche des Plastiks strich über meine Finger, welche reflexartig versuchten sich zu schließen, was ihnen leider nicht gelang. Sturz.

Ich beendete meine Jungendweltmeisterschaft mit einem 6.Platz und habe somit mein Saisonziel erreicht. Es war eine geniale Erfahrung und ein Abenteuer, das ich nicht vergessen werde!