Als wir um 07:30 vor der Kletterhalle Linz ankommen, ist neben dem Campingbus von Boris gerade noch ein Parkplatz frei. Von allen Seiten bewegen sich – teilweise noch ziemlich verschlafen - junge Menschen Richtung Eingang Kletterhalle. Kaum in der Halle gibt es ein Herumgewusle und ein Summen wie in einem Bienenstock. Die Temperatur ist erträglich, der Sauerstoffgehalt  Luft an der unteren Grenze und das Odeur der Luft ist ein wenig streng. Die vertrauten Gesichter von Jo, Vici, Jakob und Thomas sind kurz zwischendurch in der zahlenmäßig sehr starken österreichischen Teamecke zu sehen.

Wie wird´s ihnen gehen?

Auch Schiedsrichter benötigen Vorbereitungszeit um sich einzustimmen, um den besten Platz für ihre Route zu finden, um mit Route, Topo, Pad, Startliste und Sicherungspersonal vertraut zu werden. Susi (Jurypräsidentin) weist nochmals auf den Wegfall der Minuswertung hin, liefert eine Superdefinition für die Pluswertung und kommt auch während der Arbeit mal vorbei. Manchmal sind Griffnummerierungen nicht sofort klar (Klärung mit Routenbauer), mal passiert es, dass Griffe nicht eingezeichnet sind, mal können auch schlechteste Spaxtritte als Griff definiert sein, auch das gilt es zu klären während der Vorbereitung. 48 Teilnehmer in der Klasse Youth A male in einer 8a+ Route (1. Qualirunde, sechs Minuten Kletterzeit), das wird ein langer Vormittag! Noch schnell mal auf die Toilette und dann beginnt schon das Vorklettern durch den Routensetzer Reini Fichtinger. Kontrolliert klettert er, setzt sich zweimal ins Seil, lässt Griff 23 aus, zieht sofort auf 24. Eine Route mit vielen Boulderstellen – schweißüberströmt ist Reini wieder am Boden.

 

Wie heiß wird´s da oben wohl noch werden?

08:53 Der erste Athlet steigt ein, scheitert in der Mitte der Route, volle Konzentration auf den nächsten.  Das Sicherungsteam (3 Leute bei meiner Route darunter David) arbeitet perfekt. Zunehmend wird´s wärmer und schwüler in der Halle. Nach 16 Athleten muss der Routenbauer zum ersten Putzen in die Route. Kurze Pause, Mineralwasser, Toilette, kurzer Blick vor die Halle – auch zum Sauerstofftanken - ziemlich heiß ist´s draußen, aber ein leichtes Lüftchen regt sich. Beim Betreten der Halle trifft mich der Hammer in Form des strengen Geruches, Hitze und Schwüle!

Ist da an Klettern noch zu denken, kann man die Griffe überhaupt noch halten?

Man kann: Loic aus Belgien schafft es bis zum vorletzten Griff und gewinnt die erste Qualirunde in der Jugend A (auch nach dem Finale ist er auf Platz 1).
In der zweiten Putzpause geh ich kurz mal an die frische (?!) Luft, schnappe nach Sauerstoff und bewege mich nochmals in die Hölle der Schwüle, in die Hölle des Geruchs, freu mich aber auf die weiteren Athleten. Alle Steirer kann ich aus den Augenwinkeln beobachten, Jo klettert sogar die Nachbarroute. Tolle Leistungen haben sie geboten!

Vici, die sich auf Platz 2 einreiht, Jo ist 8., Thomas 11. und Jakob 21

Nach dem letzten Athleten, Eingaben kontrollieren, per Video noch eine Wertung prüfen und raus mit dem Ergebnis und natürlich hoffen, dass es in den nächsten zehn Minuten keinen Einspruch gibt.
Neben der Freude über die Leistungen der Steirer freu ich mich schon auch, wenn´s keinen Einspruch gegen meine Wertungen gibt!
Die zweite Qualirunde läuft gleich wie die erste nur die Schweißtropfen bei den Athleten werden mehr und auch ich spür die unglaubliche Schwüle in Form eines Schweißfilmes auf meiner Haut (obwohl ich nur „rumsitze“).
Jakob  klettert auf meiner Route (wird 22. in der Quali), Thomas wird 12., Vici schleicht die Platte rechts von mir bis zum Top rauf und findet sich sensationell als 2. nach der Quali wieder! Und Jo? Die findet sich mit 15 Alterskolleginnen nach Griff 37 (Plus-Wertung) im Seil wieder und beendet die Qualifikation auf Rang 8!

Tolle Voraussetzungen für den 2. den Finaltag!

Nach einer abendlichen Besprechung im Schiriteam verlasse ich Linz Richtung Steiermark auf der Autobahn, kaum Verkehr - viele Gedanken an die vergangenen Stunden und an den Finaltag für unsere Athleten begleiten mich. Aber: Das ist eine andere Geschichte heißt es irgendwo, oder? Toni Baumann

Ergebnis

Ein paar Fotos